FNG-Siegel:
„Mehr Wettbewerb bei nachhaltigen Publikumsfonds“

Das Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) ist der Fachverband für Nachhaltige Geldanlagen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz. Sabine Pex, Vize-Vorstandsvorsitzende des FNG und Leiterin der Arbeitsgruppe Qualitätssiegel für nachhaltige Publikumsfonds, erläutert die Kriterien des neuen Siegels. Die Fragen stellt Mathias Pianowski, Leiter Nachhaltigkeit und Innovation bei BCC.

 

Sehr geehrte Frau Pex; das FNG hat ein Qualitätssiegel für nachhaltige Publikumsfonds entwickelt. Fonds-Anbieter können sich ab Juli 2015 bewerben. Die Vergabe findet im November statt. Wer braucht dieses Siegel?

Die Marktteilnehmer – so wurde und wird es immer wieder an uns herangetragen. Im vergangenen Mai haben unsere Jahresstatistiken den Bedarf aufs Neue verdeutlicht. Wir sehen, dass sich der Wachstumstrend bei Nachhaltigen Geldanlagen ungebrochen fortsetzt. Dies ist für uns natürlich sehr erfreulich. Jedoch wird damit der Markt auch vielfältiger und komplexer. Transparenzinitiativen allein stoßen hier bereits an ihre Grenzen. Es bedarf nun eines Siegels, um Anlegern Orientierung zu bieten und Qualität zu sichern.

 

FNG_Nachhaltigkeitssiegel_DE_3Sterne

Damit ein Fonds das Siegel erhalten kann, müssen sicher bestimmte Mindestanforderungen erfüllt sein?

Ganz genau. Das erste Anliegen der Marktteilnehmer war es, endlich ein einheitliches Mindestmaß an Nachhaltigkeitskriterien festzulegen. Dabei ging es darum, diejenigen zusammenzustellen, über die in unserer Gesellschaft große Einigkeit besteht.

 

Welche Kriterien sind das?

Wir haben im Verband einen sehr intensiven Dialog mit Stakeholdern in mehreren Runden geführt. Verständigt haben wir uns darauf, zunächst den „Global Compact“ der Vereinten Nationen als Grundlage zu wählen. Dies bedeutet, dass Menschen- und Arbeitsrechte, Umweltschutz sowie Korruptionsbekämpfung im Fonds Berücksichtigung finden müssen. Hier zielen wir auf die tatsächliche Situation in Unternehmen und nicht nur auf das Reporting ab.

 

Es geht also um den Umgang mit Verstößen?

Genau. Hinzu kommt der Ausschluss von Waffen bzw. Rüstung und Kernkraft. Zu den Mindestanforderungen zählen außerdem ein unterzeichneter Transparenz Kodex von Eurosif und ein FNG-Nachhaltigkeitsprofil. Zudem müssen mindestens 90 Prozent des Portfolios hinsichtlich Anzahl an Emittenten und verwalteten Vermögen nach ökologischen, sozialen und governance-bezogenen Kriterien analysiert werden. Darauf aufbauend können die Fonds dann in einem Stufenmodell zusätzlich Punkte sammeln.

 

Wie kann ich mir das Stufenmodell vorstellen? Clustert es die Fonds im Hinblick auf zusätzliche Nachhaltigkeitsansprüche?

Das ist richtig. Dabei fließen in die Bewertung der Fonds auch die Nachhaltigkeitsstandards des Anbieters, die Qualität des Researchs und das Transparenzniveau des Produktes ein. Zentral ist, in welchem Maß der Fonds über seine Anlagestrategien zum nachhaltigen Wirtschaften beiträgt. Dies kann etwa über Investments in besonders nachhaltige Branchen oder in nachhaltige Branchenführer geschehen. Daneben honorieren wir ein breites Set an dialogorientierten Ansätzen, die darauf zielen, in Unternehmen Entwicklungen hin zu mehr Nachhaltigkeit voranzutreiben. Wir wollen den aktiven Investor fördern.

 

13 : 18 Hochformat
Sabine Pex

Welche Vorteile bietet denn das Stufenmodell für wen?

Das Stufenmodell hat gleichermaßen Vorteile für Anleger und Anbieter. Es erleichtert zum einen dem Anleger die Wahl des Fonds, der seinem jeweiligen Nachhaltigkeitsverständnis entspricht. Zum anderen respektiert das Stufenmodell die Vielfalt der Ansätze und macht eben die von Ihnen schon erwähnten höheren Ansprüche von Anbietern transparent. Nicht zuletzt gewinnt die nachhaltige Entwicklung, denn das Stufenmodell stärkt den Wettbewerb um Nachhaltigkeit zwischen den Fonds und treibt die Entwicklung des Marktes für Nachhaltige Geldanlagen voran.

 

Das hört sich vielleicht zu gut an. Gestatten Sie mir bitte, daher etwas provokanter zu fragen: Mindestkriterien und Stufenmodell machen das Siegelkonzept also zum Stein der Weisen?

Nein! Bei Nachhaltigkeit gilt doch eher: Viele Wege führen nach Rom. Dem tragen wir mit der Methodik auch Rechnung. Nachhaltigkeit ist ein Leitbild, kein perfekter Zustand, den man einmal erreicht und dann legt man die Hände in den Schoß. Wissen Sie, Herr Pianowski, wir sind heute sehr glücklich, dass wir als Verband diese großen Schritte im Markt gehen. Das Siegelkonzept ist aber definitiv dynamisch – das ist auch unser Anspruch in der Branche. Das Siegel soll jedes Jahr im Dialog weiterentwickelt werden und so dazu beitragen, die Standards im Bereich nachhaltiger Geldanlagen immer weiter anzuheben. Hierfür erwarten wir auch wichtige Impulse vom Siegel-Komitee. Dieses Gremium repräsentiert wichtige zivilgesellschaftliche Akteure und spricht Empfehlungen für die Siegelvergabe aus.

 

Wie genau wird sich die Rolle des Siegelkomitees bestimmen und welche Gruppen werden in diesem Gremium vertreten sein?

Das Siegel-Komitee ist ein Gremium, das sich aus Repräsentanten privater und institutioneller Anleger, der Wissenschaft, der Kirche und der Zivilgesellschaft zusammensetzt. Es hat eine beratende Funktion und bringt sich mit seiner interdisziplinären und unabhängigen Expertise aktiv in die Weiterentwicklung des Siegelkonzeptes ein. Es erarbeitet Empfehlungen für die Bewertung von Engagement, bei Beschwerden und strittigen Fällen. Auch wird das Siegel-Komitee auf die Auditreports zugreifen und diese stichprobenartig prüfen.

 

Noch eine letzte Frage: Wer übernimmt das Auditing der Fonds und was müssen Fondgesellschaften beachten, die sich mit ihren nachhaltigen Publikumsfonds um das Siegel bewerben wollen?

Auditor des FNG-Siegels ist Novethic. Dieses Forschungszentrum für Nachhaltige Geldanlagen mit Sitz in Paris verfügt über langjährige Erfahrung mit dem Auditing von Fonds. Seit 2009 vergibt Novethic sein SRI Label und seit 2013 sein Green Fund Label. Novethic ist außerdem strategischer Projektpartner des Siegels und hat das FNG bei der Operationalisierung der Methodik unterstützt. Um das FNG-Siegel können sich nachhaltige Publikumsfonds aller Asset-Klassen bewerben, die UCITS- oder einer gleichwertigen Norm entsprechen und in mindestens einem der vier Länder Deutschland, Österreich, Liechtenstein oder Schweiz zum Vertrieb zugelassen sind.

 

Sehr geehrte Frau Pex, ganz herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg für die Markteinführung!

 

Detaillierte Informationen zu den Anforderungen und der Bewerbung enthalten die Verfahrensbedingungen. Einsendeschluss für die ausgefüllten Unterlagen ist der 18. September 2015.

Weitere Informationen finden Sie unter www.forum-ng.org